Leider hatte auch Dänemark keine weiße Weihnacht, aber dafür hat es zumindest Anfang Dezember (soweit ich mich erinnern kann war es Anfang Dezember) mal geschneit. Es hat sogar gereicht, um einen kleinen dänischen Schneemann zu bauen. Der sieht genauso aus wie der deutsche Schneemann. :)
Aber gut, wenn es draußen schon nicht schneit, macht man es sich wenigstens drinnen etwas weihnachtlicher. Da ich leider die meiste Vorweihnachtszeit lang Prüfungen hatte, konnte ich mich nicht wirklich ins Getümmel stürzen und neue Weihnachtsdeko ergattern. Wäre zwar schön gewesen (Danish Design ist ja weltweit in Mode), aber man kann eben nicht alles haben. Schade eigentlich. Dabei waren die Geschäfte hier ja so gut wie 24/7 geöffnet. Gut, nicht ganz. Die meisten öffnen um 10Uhr morgens und schließen um 10Uhr abends, zumindest kurz vor Weihnachten. Und das sieben Tage die Woche. Aber irgendwie bin ich auch froh, dass mich eine wirtschaftspolitische Analyse der Regional Trade Agreements größtenteils davon abgehalten hat mich dem Wahnsinn in der Innenstadt anzuschließen.
Einmal haben es Mads und ich dann nämlich doch versucht. Zuerst ging es auf den Indoor-Weihnachtsmarkt der Architekturschule. Die weihnachtliche Atmosphäre ging leider in der kahlen Kantine mit Kaffeduft etwas unter, aber die Sachen, die dort verkauft wurden waren wirklich schön. Zumindest die, die wir zu Gesicht bekamen. In dieser Halle war es nämlich so voll, dass ich mich plötzlich wie nach China zurückversetzt fühlte - mit dem Unterschied, dass sich Chinesen eindeutig besser in der Menge fortbewegen können. Europäer neigen ja leider dazu sich einander in den Weg zu stellen, damit ja jeder am meisten Platz hat und die besten Sachen ergattern kann. So verbrachten wir die meiste Zeit auf dem Markt damit im Stau zu stehen. Aber Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit zur Ruhe zu kommen. Einmal nicht über den Weihnachtsmarkt zu hetzen sondern stattdessen gemütlich zwischen den Ständen zu stecken gehört da vielleicht auch dazu. Am Ende haben wir es doch geschafft ein paar nette Geschenke mitzunehmen. Hungrig wie wir von dem ganzen Trubel waren, musste dann natürlich erstmal ein Restaurant gesucht werden. Aber auch hier schlug die friedliche Weihnachtsstimmung zu und alles war restlos besetzt. Alles, wirklich alles. Wie die moderne Version von Maria und Josef (ohne Kind und ohne Tiere, dafür mit vollen Tüten) liefen wir von Restaurant zu Restaurant und von Cafe zu Cafe aber keiner hatte einen Platz für uns! Glücklicherweise stießen wir - dem Hungertod nahe - auf ein mexikanisches take-away Lokal, das gerade erst eröffnet hatte und anscheinend noch nicht so bekannt war. Dort hätten wir nämlich gleich alle Tische auf einmal haben können.
Blöderweise hatten wir ja immernoch nicht alle Geschenke - dann also doch nochmal in die Läden. Die rein - nicht weiter umschauen - Geschenk kaufen - raus Methode hat sich an diesem Tag sehr bewährt. Am Ende haben wir dann nämlich doch für alle etwas besorgen können. Darunter auch eine elektrische Spielgitarre für Mads Neffen. Vollbepackt machten wir uns also auf den Weg zurück zum Auto. Doch waren wir noch keine 50 Meter gegangen, als Mads Tüte auf einmal anfing wie wild zu blinken und zu tröten. Der Spielzeughersteller der Gitarre hatte netterweise gleich Batterien eingebaut und den "on"-Knopf, für Kinder wunderbar zu bedienen, direkt obendrauf gebaut. Und diese Gitarre hatte sich nun selbstständig gemacht. Nur blöd, dass alles schon eingepackt war. Wir versuchten erst noch durch das Geschenkpapier hindurch einfach blind irgendwelche Knöpfe zu drücken, aber der "off"-Knopf war wohl nicht dabei. Was blieb uns anderes übrig? Wir rissen das riesen Ding wieder auf und erlösten unsere Ohren endlich. So konnte es also weiter gehen. Allerdings war der "on"-Knopf anscheinend wirklich extrem sensibel, denn es dauerte keine zwei Minuten und das Ding klimperte wieder los. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und wir wollen einfach nur schnell zurück zum Auto und so hasteten wir blinkend und tutend durch das weihnachtliche Aarhus. Welch frohes Fest!
Alles in allem war es aber doch sehr schön und zumindest die nervige Gitarre wird mir wohl auf Ewig in Erinnerung bleiben. Wieder zu Hause machte ich mich dann endlich an's Dekorieren. Im ganzen Trubel hatte ich natürlich vergessen einen Weihnachtsteller für die Nelken-Orangen zu kaufen, die in Dänemark wohl seit Jahrhunderten Pflicht sind. Ein Schneidebrett und etwas Alufolie haben es dann aber auch getan. - Man muss sich nur zu helfen wissen. :)
Mads und ich hatten unsere eigene kleine Bescherung aber schon mitte Dezember, denn zu Weihnachten selbst war ich dann in Oberlauringen. Ich kann euch also leider nicht erzählen, wie das dänische Weihnachtsfest wirklich aussieht, das kenne ich auch nur aus Erzählungen. Aber ich weiß, dass es schon Mittags Aquavit (Kümmel/Anis-Schnaps) gibt, man zu Abend Schweinebraten mit "braunen Kartoffeln" (= karamelisierte Kartoffeln) isst und danach um den Weihnachtsbaum tanzt und Lieder singt. Ach, und weil ich schon ein paar Mal darauf angesprochen wurde: Die Geschenke bringt der Weihnachtsmann, nicht Lucia. Lucia kommt schon am 13.12. und bringt nur Licht. Licht brauchen die Dänen im Winter auch dringend, im Dezember wurde es nämlich schon um 15Uhr dunkel...

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