Was macht man, wenn das dänische Wetter einem wieder mal den Strandtag versaut? Man geht in den Regenwald. Jaah, das gibt es im hohen Norden tatsächlich auch. Natürlich nicht in der freien Wildbahn, aber dafür nur eine Stunde von Aarhus entfernt. "Randers Regnskov" (=Randers Regenwald) heißt das Wunderding. In drei großen Glaskuppeln hat man da alles getan, um die Tropen ins Land zu holen. Es herrschen geschätzt 30°C, 75% Luftfeuchtigkeit und es riecht herrlich nach feuchter Erde. Wie im Regenwald eben. Und schon der Tunnel, der den Eingang mit den Kuppeln verbindet, reißt die immensen Eintrittspreise wieder raus. Ich liebe exotische Fische und Amphibien ja sowieso und so kam es, dass ich schon fast eine Stunde damit verbrachte, die ganzen Glaskästen und ihre Bewohner in diesem Tunnel zu bewundern. Ich finde es einfach immer noch so wahnsinnig, dass Frösche zum Beispiel von Natur aus blau sein können. Diese grellen Farben erinnern mich ja normalerweise eher an asiatischen Plastik-Kitsch, und wenn man dann bedenkt, dass der Frosch es ganz ohne industrielle Farbstoffe hinkriegt so auszusehen ... Toll, oder?
Aber das ist natürlich nicht das einzige, was einen in Urlaubsstimmung bringt. Die Kuppeln sind in verschiedene Kontinente eingeteilt und je nachdem wo man gerade ist, kann man Flughunde, Fledermäuse und Vögelchen frei durch die Lüfte fliegen sehen. Oder man beobachtet die kleinen flauschigen Äffchen, wie sie neben einem auf dem Weg herumhüpfen. Und das war das faszinierendste an diesem "Zoo". Man fühlt sich wirklich wie mittendrin (statt nur dabei), natürlich auch, weil man es schlicht und einfach ist. Eigentlich soll man die Affen natürlich nicht anfassen, aber die meisten sind inzwischen schon so an den Menschen gewöhnt, dass sie sich trotzdem streicheln lassen. Und so kann man sich sicher sein, dass man bei einem Besuch des Regenwalds auf jeden Fall ein paar Tiere aus nächster Nähe beobachten kann. Die Fledermäuse beispielsweise auch. Die hängen sich oft ganz frech an die Lampen und Pfosten neben dem Weg und schauen einen dann mit ihren großen Kulleraugen an. Da ist mir erst mal aufgefallen, wie süß Fledermäuse eigentlich sind. Die Flügel sehen zwar etwas ... naja ... gruselig aus, aber die Gesichter sind doch wirklich goldig. Als ich dann die Fledermaushöhle entdeckte, war ich natürlich gleich Feuer und Flamme. Das ist einer der wenigen Bereiche - neben den Krokodil-Gehegen - die durch eine Tür vom Rest der Kuppel getrennt sind. Anders als bei den Krokodilen, darf man aber natürlich in die Höhle rein. Und da waren sie. Im schummrigen Licht konnte man eigentlich nur die Umrisse erkennen, aber es war super zu sehen, wie ein riesen Schwarm von Fledermäusen dicht über den Kögfen der Besucher herumflog. Trotzdem wird es natürlich schnell langweilig, wenn man eigentlich kaum etwas sieht, weshalb die Betreiber sich wohl auch den Clou mit den Lichtschaltern ausgedacht haben. Hier und da gibt es einen Knopf in der Wand, mit dem man das Licht anmachen kann (nur so lange man den Knopf gedrückt hält). Ich alter Abenteurer musste das natürlich gleich ausprobieren, habe es aber auf der Stelle bereut: Kakerlaken! An den Wänden, auf dem Boden! Überall! Auch an der Wand, an die ich mich kurz vorher noch so cool gelehnt hatte! Ich hasse Kakerlaken, und jeder, der meinen Australien-Blog gelesen hat, weiß, wie sehr ich diese Dinger hasse. Panisch habe ich mich sofort an Mads Arm geklammert und wollte einfach nur noch raus. So putzig die Fledermäuse auch waren, Kakerlaken werden mich immer in die Flucht schlagen. Das schlimmste an der Situation war aber wohl, dass Mads einfach nicht verstand, warum ich auf einmal so ängstlich war. Er erzählte mir die ganze Zeit, dass Fledermäuse ganz harmlos seien und "schützte" mich, indem er mich ganz nah an der Wand entlang führte (das Licht war inzwischen wieder aus, aber ich wusste ja, was an der Wand war!). Das waren die längsten 30 Sekunden meines Lebens, bis ich endlich wieder draußen war.
Um mich von dem Schrecken zu erholen, gingen wir dann erst mal nach draußen. Also nach ganz draußen. Vor den Kuppeln gibt es nämlich noch einen Teil "europäischen Zoo". Mit Kühen, Schweinen und Ziegen. Eigentlich ist der Teil glaube ich eher für kleinere Kinder als mich gedacht, aber ich hatte trotzdem Spaß. Wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, habe ich auch sofort Freundschaft mit den Ziegen geschlossen. Die fand ich viiiiiel besser als Kakerlaken.
Alles in allem war es wirklich ein super Tag und eine willkommene Abwechslung im dänischen 20°C-Sommeralltag. Und bei 30°C schmeckte das Eis natürlich gleich doppelt so gut. Dänisches Eis ist ja eh spitze. Da bekommt man ein paar Kugeln in der Waffel, mit Schlagsahne und Erdbeerschaum obendrauf und dazu ein Schaumkuss. Der Wahnsinn! Eigentlich passt das ja nicht so ins Bild der super-fitten Dänen, aber hier geht es wohl nach dem Motto Wenn schon, denn schon.






