Montag, 18. Januar 2016

Der dänische Regenwald

Was macht man, wenn das dänische Wetter einem wieder mal den Strandtag versaut? Man geht in den Regenwald. Jaah, das gibt es im hohen Norden tatsächlich auch. Natürlich nicht in der freien Wildbahn, aber dafür nur eine Stunde von Aarhus entfernt. "Randers Regnskov" (=Randers Regenwald) heißt das Wunderding. In drei großen Glaskuppeln hat man da alles getan, um die Tropen ins Land zu holen. Es herrschen geschätzt 30°C, 75% Luftfeuchtigkeit und es riecht herrlich nach feuchter Erde. Wie im Regenwald eben. Und schon der Tunnel, der den Eingang mit den Kuppeln verbindet, reißt die immensen Eintrittspreise wieder raus. Ich liebe exotische Fische und Amphibien ja sowieso und so kam es, dass ich schon fast eine Stunde damit verbrachte, die ganzen Glaskästen und ihre Bewohner in diesem Tunnel zu bewundern. Ich finde es einfach immer noch so wahnsinnig, dass Frösche zum Beispiel von Natur aus blau sein können. Diese grellen Farben erinnern mich ja normalerweise eher an asiatischen Plastik-Kitsch, und wenn man dann bedenkt, dass der Frosch es ganz ohne industrielle Farbstoffe hinkriegt so auszusehen ... Toll, oder? 
Aber das ist natürlich nicht das einzige, was einen in Urlaubsstimmung bringt. Die Kuppeln sind in verschiedene Kontinente eingeteilt und je nachdem wo man gerade ist, kann man Flughunde, Fledermäuse und Vögelchen frei durch die Lüfte fliegen sehen. Oder man beobachtet die kleinen flauschigen Äffchen, wie sie neben einem auf dem Weg herumhüpfen. Und das war das faszinierendste an diesem "Zoo". Man fühlt sich wirklich wie mittendrin (statt nur dabei), natürlich auch, weil man es schlicht und einfach ist. Eigentlich soll man die Affen natürlich nicht anfassen, aber die meisten sind inzwischen schon so an den Menschen gewöhnt, dass sie sich trotzdem streicheln lassen. Und so kann man sich sicher sein, dass man bei einem Besuch des Regenwalds auf jeden Fall ein paar Tiere aus nächster Nähe beobachten kann. Die Fledermäuse beispielsweise auch. Die hängen sich oft ganz frech an die Lampen und Pfosten neben dem Weg und schauen einen dann mit ihren großen Kulleraugen an. Da ist mir erst mal aufgefallen, wie süß Fledermäuse eigentlich sind. Die Flügel sehen zwar etwas ... naja ... gruselig aus, aber die Gesichter sind doch wirklich goldig. Als ich dann die Fledermaushöhle entdeckte, war ich natürlich gleich Feuer und Flamme. Das ist einer der wenigen Bereiche - neben den Krokodil-Gehegen - die durch eine Tür vom Rest der Kuppel getrennt sind. Anders als bei den Krokodilen, darf man aber natürlich in die Höhle rein. Und da waren sie. Im schummrigen Licht konnte man eigentlich nur die Umrisse erkennen, aber es war super zu sehen, wie ein riesen Schwarm von Fledermäusen dicht über den Kögfen der Besucher herumflog. Trotzdem wird es natürlich schnell langweilig, wenn man eigentlich kaum etwas sieht, weshalb die Betreiber sich wohl auch den Clou mit den Lichtschaltern ausgedacht haben. Hier und da gibt es einen Knopf in der Wand, mit dem man das Licht anmachen kann (nur so lange man den Knopf gedrückt hält). Ich alter Abenteurer musste das natürlich gleich ausprobieren, habe es aber auf der Stelle bereut: Kakerlaken! An den Wänden, auf dem Boden! Überall! Auch an der Wand, an die ich mich kurz vorher noch so cool gelehnt hatte! Ich hasse Kakerlaken, und jeder, der meinen Australien-Blog gelesen hat, weiß, wie sehr ich diese Dinger hasse. Panisch habe ich mich sofort an Mads Arm geklammert und wollte einfach nur noch raus. So putzig die Fledermäuse auch waren, Kakerlaken werden mich immer in die Flucht schlagen. Das schlimmste an der Situation war aber wohl, dass Mads einfach nicht verstand, warum ich auf einmal so ängstlich war. Er erzählte mir die ganze Zeit, dass Fledermäuse ganz harmlos seien und "schützte" mich, indem er mich ganz nah an der Wand entlang führte (das Licht war inzwischen wieder aus, aber ich wusste ja, was an der Wand war!). Das waren die längsten 30 Sekunden meines Lebens, bis ich endlich wieder draußen war.

Um mich von dem Schrecken zu erholen, gingen wir dann erst mal nach draußen. Also nach ganz draußen. Vor den Kuppeln gibt es nämlich noch einen Teil "europäischen Zoo". Mit Kühen, Schweinen und Ziegen. Eigentlich ist der Teil glaube ich eher für kleinere Kinder als mich gedacht, aber ich hatte trotzdem Spaß. Wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, habe ich auch sofort Freundschaft mit den Ziegen geschlossen. Die fand ich viiiiiel besser als Kakerlaken. 
Alles in allem war es wirklich ein super Tag und eine willkommene Abwechslung im dänischen 20°C-Sommeralltag. Und bei 30°C schmeckte das Eis natürlich gleich doppelt so gut. Dänisches Eis ist ja eh spitze. Da bekommt man ein paar Kugeln in der Waffel, mit Schlagsahne und Erdbeerschaum obendrauf und dazu ein Schaumkuss. Der Wahnsinn! Eigentlich passt das ja nicht so ins Bild der super-fitten Dänen, aber hier geht es wohl nach dem Motto Wenn schon, denn schon

Freitag, 15. Januar 2016

"Öiwerlauring, Öiwerlauring, Fosenacht is heut ..."

Naja, nicht ganz. Eigentlich geht es erst nächste Woche los. Damit auch ich den Sitzungsauftakt des KCOs live miterleben kann, bin ich schon gestern eingeflogen. Das wohl kleinste Passagierflugzeug der Welt hat mich von Aalborg nach Frankfurt gebracht. Aalborg ist eine Stadt im Norden Dänemarks und hat, im Gegensatz zu Aarhus, einen Flughafen von wo aus auch tatsächlich Flieger nach Deutschland gehen. Und wie alles in Dänemark, sind auch die Flughäfen kleiner. Man könnte sie fast als putzig bezeichnen. Es gab 10 Check-In Schalter, 11 Gates und ein Café. Das war's. Ganz old-school-mäßig sind wir dann (das heißt die ca. 80 Passagiere und ich) quer über's Rollfeld und die fünf Stufen hoch in's Flugzeug gelaufen. So etwas hatte ich seit unserem Zypern-Urlaub nicht mehr gesehen, und damals war ich 5 (und der Flieger damals hatte 6 statt 4 Sitze pro Reihe). Schon witzig irgendwie. Ich war auch erst einmal ganz erstaunt darüber, dass es keine Entertainment-Bildschirme gab, bis mir eingefallen ist, dass es das ja nur auf Langstrecken-Flügen gibt. Der Flug an sich war aber prima. Das Wetter über den Wolken war viel besser und sobald wir oben waren, haben wir eigentlich schon wieder zur Landumg angesetzt (ok, es gab zwischendurch noch einen O-Saft und ein Sandwich) und nach einer Stunde war ich auch schon in Frankfurt. Normalerweise fahre ich ja meistens mit dem Zug und bin dann um die 10 Stunden unterwegs. Da ist eine Stunde ja nichts. Wie ich fliegen liebe! Ein weiterer Vorteil dieser Flugverbindung ist übrigens, dass die meisten Passagiere nur Handgepäck dabei haben - Businessmen eben. Mein Koffer war einer von 2(!) Koffern auf dem Gepäckband in Frankfurt. Ich dachte ja erst ich wäre am falschen Band, aber nein, irgendwann kam mein Koffer einsam und verlassen angerollt. Weil ich einen sehr netten Papa habe, hat mein Taxi nach Oberlauringen dann auch schon am Ausgang gewartet und so sitze ich jetzt eben zu Hause und bereite mich intensiv auf den Fasching vor.

Sonntag, 10. Januar 2016

Hej. Jeg hedder Katharina og jeg bor i Hinnerup.

Zu Deutsch: Hallo. Ich heiße Katharina und ich wohne in Hinnerup. Jetzt denken die meisten wahrscheinlich "Hinnerup? Was ist das denn jetzt? Ich dachte sie wohnt in Aarhus?" - jein. Ich gehe in Aarhus an die Uni, wohne aber nicht direkt da. Wir haben eine kleine aber feine Wohnung in einem schnuckeligen Vorort von Aarhus gefunden. Und dieser Ort heißt Hinnerup. Hinnerup ist circa 15km von Aarhus Centrum entfernt und ihr könnt euch das eungefähr so vorstellen wie Hofheim mit 7500 Einwohnern. Der Grund warum wir hier und nicht direkt in Aarhus leben ist einfach: das liebe Geld. Dänemark ist ja sowieso teurer als Deutschland aber die Wohnsituation in den Städten (vor allem in Aarhus und Kopenhagen) ist schrecklich. Man bewirbt sich meistens über gewisse online Platformen wo man dann monate- oder sogar jahrelang auf der Warteliste für eine Wohnung steht, zumindest für die zentralen Wohnungen, die alle wollen. Und wenn man dann so eine Wohnung hat,  zahlt man für eine 50m² Wohnung mit zwei Zimmern gut und gerne über 1000€. Und so hatten wir die Wahl zwischen dem "Komfort-Paket" (Wohnung, schnelles Internet, Fernsehen, Auto + Geld am Ende des Monats) und dem "Aarhus Zentrum - Paket" (eine Wohnung in Aarhus). Wir haben uns für das erste entschieden und sind deswegen in Hinnerup gelandet. Es ist zwar manchmal etwas umständlich abends mit der Klasse feiern zu gehen (oder eher danach nach Hause zu kommen), aber irgendwie klappt das eigentlich immer, es fahren ja auch Nachtbusse hierher. Außerdem war ich wirklich heilfroh, dass wir nicht in Containern übernachten mussten. Das passiert jährlich nämlich hunderten von Studenten. Diejenigen, die bis zum Semesteranfang keine Wohnung gefunden haben, können sich auf einen Containerplatz bewerben. Ich hab mir sagen lassen, dass das recht kalt ist, aber immerhin wird man nicht nass. Und so hat man dann zwei Monate mehr Zeit sich etwas zu suchen bis die Container geschlossen werden und man entgültig auf der Straße sitzt. 
Aber zurück zu Hinnerup: Ich habe mir gedacht, vielleicht sollte ich euch meine eigentliche neue Heimat auch einmal vorstellen. Es ist eher ruhig hier, aber man hat trotzdem alles was man braucht: fünf Supermärkte, zwei Tankstellen, ein Schwimmbad, einen Frisör, eine Apotheke, ein Solarium, zwei Restaurants, drei Bäcker, eine Bibliothek und einen Bahnhof. Und es ist definitiv besser für mich meine Freizeit nicht in einem Umfeld zu verbringen, in dem man sich die Langeweile mit Shoppen und Kaffee trinken (ok, heiße Schokolade für mich - für 7,30€/Tasse!) vertreiben kann. 
Die Hauptstraße um Mitternacht
Mein Lieblingsplatz hier ist der kleine See, direkt gegenüber von unserem Wohnblock. Es gibt da sogar einen kleinen Steg, auf dem man im Sommer gemütlich grillen kann, während die Enten und Möven um einen herumschwimmen. Man kann aber natürlich auch einfach da sitzen und ein Buch lesen oder den Kids zuschauen, die dort nach der Schule oft ihre Angelkünste zur Schau stellen. Meine Theorie ist ja, dass die Fische - wenn es sie denn gibt - inzwischen einen großen Bogen um den Steg schwimmen, der der einzige direkte Zugang zum Wasser ist, ich habe dort nämlich noch nie einen erfolgreichen Angelversuch beobachtet. Jetzt im Winter ist der Steg natürlich eher ungemütlich und wahnsinnig rutschig, aber im Sommer war es toll da. Und wenn ich mir die Bilder jetzt im Nachhinein so ansehe muss ich feststellen, dass es am See genau so ist, wie man sich einen skandinavischen Sommer vorstellt.

Obwohl Frühling und Sommer definitiv meine liebsten Jahreszeiten sind, muss ich aber zugeben, dass Hinnrup auch im Herbst und Winter schön ist. Auch wenn man vor allem im Herbst ständig daran erinnert wurde, dass man sozusagen im Sumpf lebt. Wenn ich so an den schwarzen (die Erde hier ist wirklich schwarz, oder extrem dunkelbraun) Weiden der Hochlandrinder entlangspazierte, die am Abend immer mit einer dünnen Schicht Nebel bedeckt waren, musste ich irgendwie immer an Goethes Erlkönig denken - ihr wisst schon, "wer reitet so spät durch Nacht und Wind..." und so weiter. Und obwohl es schön anzusehen war, wundert es mich jetzt nicht mehr, dass die Depressionsrate in Dänemark so hoch ist. Bedrückend ist diese Atmosphäre auf Dauer nämlich irgendwie auch.
 Aber inzwischen ist es ja Winter geworden, die Tage werden schon wieder länger und wenn das neue Semester im Februar erst wieder angefangen hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Frühjahr kommt. Gut, etwas länger als in Oberlauringen dauert es hier schon, letztes Jahr hatte ich im Mai noch meine dicke Jacke an, aber immerhin fängt dann schon mal alles an zu blühen und irgendwann im Sommer werden die Tage so lang, dass die Sonne erst um Mitternacht untergeht und sich schon ein paar Stunden später wieder blicken lässt. Bis dahin freue ich mich jeden Morgen auf's neue wie ein kleines Kind, wenn ich die Vorhänge aufziehe und dicke weiße Flocken vom Himmel fallen sehe.
Der Blick aus dem Küchenfenster


Freitag, 8. Januar 2016

Lego - Dänischer Plunder - Urlaub - Kopenhagen - Danish Design - Wikinger


 Fällt euch sonst noch was ein, wenn ihr an Dänemark denkt? Nein? Ging mir bis vor einem Jahr genauso. Aber seitdem ich 2014 das erste Mal hier war, hat sich noch ein Name eingeprägt: Aarhus. 
Schon als ich dieses Städtchen (mit ca. 300.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Dänemarks) zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich ein bisschen in seinen nordischen Charm verliebt. Aarhus ist, wie gesagt, nicht groß, vor allem die Innenstadt ist gut überschaubar. Und trotzdem ist hier alles geboten was man so braucht. Wir haben sogar einen kleinen Flughafen, nur leider fliegen von hier so gut wie keine Maschinen und somit bräuchte man circa 12 Stunden bis nach Nürnberg, weil man erst drei mal umsteigen muss. Naja, was soll's! Mit dem Zug oder Auto hat es bisher auch immer ganz gut geklappt. Aber zurück zur Stadt selbst: Es gibt natürlich einige Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel Aaros, ein bunter, begehbarer Ring auf dem Dach des Kunstmuseums (ich war selbst noch nicht da, deswegen muss ich euch zwecks Bilder leider vertrösten) oder "Den Gamle By", das "Alte Stadt" - Museum. Das ist ein ziemlich großes Freilichtmuseum, in dem man durch wiederaufgebaute Häuser des 18. und 20. Jahrhunderts und der 70er Jahre wandern kann und mit etwas Glück eine aus der Zeit übriggebliebene Magd oder einen Gärtner trifft, die einem dann etwas über ihr Leben erzählen (ich habe ja den starken Verdacht, dass die gar nicht wirklich aus dieser Zeit stammen, auch wenn sie immer so reden!). Aber dieses Museum verdient auf jeden Fall einen eigenen Post, ihr dürft also gespannt sein. Das dritte große Aushängeschild der Stadt ist der "Stream", ein Flüsschen, das mitten durch die Innenstadt führt. Wenn man es sich leisten kann, kann man in einem der zahlreichen Lokale dort frühstücken oder zu Abend essen und dabei das glitzernde Wasser bewundern. Vor allem am Abend, wenn sich die Lichterketten im Wasser spiegeln, finde ich es dort besonders toll.
Am meisten mag ich an Aarhus aber die Häuser, im simplen nordischen Stil erbaut. Da die meisten Wohnhäuser schon ziemlich alt sind, haben sie nur selten einen Aufzug und so kann es schon einmal vorkommen, dass man bis in den siebten Stock laufen muss. Aber die Dänen sind ja alle verrückt nach Fitness, da passt das dann wieder. Mit Worten lässt sich die Stadt aber natürlich gar nicht richtig beschreiben. Wenn ihr also die folgenden Bilder anschaut, stellt euch am besten noch vor es wären 15°C und es wehte euch eine leichte (oder eher starke) kalte Brise um die Nase. 



Mittwoch, 6. Januar 2016

Es weihnachtete sehr


Leider hatte auch Dänemark keine weiße Weihnacht, aber dafür hat es zumindest Anfang Dezember (soweit ich mich erinnern kann war es Anfang Dezember) mal geschneit. Es hat sogar gereicht, um einen kleinen dänischen Schneemann zu bauen. Der sieht genauso aus wie der deutsche Schneemann. :) 

Aber gut, wenn es draußen schon nicht schneit, macht man es sich wenigstens drinnen etwas weihnachtlicher. Da ich leider die meiste Vorweihnachtszeit lang Prüfungen hatte, konnte ich mich nicht wirklich ins Getümmel stürzen und neue Weihnachtsdeko ergattern. Wäre zwar schön gewesen (Danish Design ist ja weltweit in Mode), aber man kann eben nicht alles haben. Schade eigentlich. Dabei waren die Geschäfte hier ja so gut wie 24/7 geöffnet. Gut, nicht ganz. Die meisten öffnen um 10Uhr morgens und schließen um 10Uhr abends, zumindest kurz vor Weihnachten. Und das sieben Tage die Woche. Aber irgendwie bin ich auch froh, dass mich eine wirtschaftspolitische Analyse der Regional Trade Agreements größtenteils davon abgehalten hat mich dem Wahnsinn in der Innenstadt anzuschließen. 
Einmal haben es  Mads und ich dann nämlich doch versucht. Zuerst ging es auf den Indoor-Weihnachtsmarkt der Architekturschule. Die weihnachtliche Atmosphäre ging leider in der kahlen Kantine mit Kaffeduft etwas unter, aber die Sachen, die dort verkauft wurden waren wirklich schön. Zumindest die, die wir zu Gesicht bekamen. In dieser Halle war es nämlich so voll, dass ich mich plötzlich wie nach China zurückversetzt fühlte - mit dem Unterschied, dass sich Chinesen eindeutig besser in der Menge fortbewegen können. Europäer neigen ja leider dazu sich einander in den Weg zu stellen, damit ja jeder am meisten Platz hat und die besten Sachen ergattern kann. So verbrachten wir die meiste Zeit auf dem Markt damit im Stau zu stehen. Aber Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit zur Ruhe zu kommen. Einmal nicht über den Weihnachtsmarkt zu hetzen sondern stattdessen gemütlich zwischen den Ständen zu stecken gehört da vielleicht auch dazu. Am Ende haben wir es doch geschafft ein paar nette Geschenke mitzunehmen. Hungrig wie wir von dem ganzen Trubel waren, musste dann natürlich erstmal ein Restaurant gesucht werden. Aber auch hier schlug die friedliche Weihnachtsstimmung zu und alles war restlos besetzt. Alles, wirklich alles. Wie die moderne Version von Maria und Josef (ohne Kind und ohne Tiere, dafür mit vollen Tüten) liefen wir von Restaurant zu Restaurant und von Cafe zu Cafe aber keiner hatte einen Platz für uns! Glücklicherweise stießen wir - dem Hungertod nahe - auf ein mexikanisches take-away Lokal, das gerade erst eröffnet hatte und anscheinend noch nicht so bekannt war. Dort hätten wir nämlich gleich alle Tische auf einmal haben können. 
Blöderweise hatten wir ja immernoch nicht alle Geschenke - dann also doch nochmal in die Läden. Die rein - nicht weiter umschauen - Geschenk kaufen - raus Methode hat sich an diesem Tag sehr bewährt. Am Ende haben wir dann nämlich doch für alle etwas besorgen können. Darunter auch eine elektrische Spielgitarre für Mads Neffen. Vollbepackt machten wir uns also auf den Weg zurück zum Auto. Doch waren wir noch keine 50 Meter gegangen, als Mads Tüte auf einmal anfing wie wild zu blinken und zu tröten. Der Spielzeughersteller der Gitarre hatte netterweise gleich Batterien eingebaut und den "on"-Knopf, für Kinder wunderbar zu bedienen, direkt obendrauf gebaut. Und diese Gitarre hatte sich nun selbstständig gemacht. Nur blöd, dass alles schon eingepackt war. Wir versuchten erst noch durch das Geschenkpapier hindurch einfach blind irgendwelche Knöpfe zu drücken, aber der "off"-Knopf war wohl nicht dabei. Was blieb uns anderes übrig? Wir rissen das riesen Ding wieder auf und erlösten unsere Ohren endlich. So konnte es also weiter gehen. Allerdings war der "on"-Knopf anscheinend wirklich extrem sensibel, denn es dauerte keine zwei Minuten und das Ding klimperte wieder los. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und wir wollen einfach nur schnell zurück zum Auto und so hasteten wir blinkend und tutend durch das weihnachtliche Aarhus. Welch frohes Fest!
Alles in allem war es aber doch sehr schön und zumindest die nervige Gitarre wird mir wohl auf Ewig in Erinnerung bleiben. Wieder zu Hause machte ich mich dann endlich an's Dekorieren. Im ganzen Trubel hatte ich natürlich vergessen einen Weihnachtsteller für die Nelken-Orangen zu kaufen, die in Dänemark wohl seit Jahrhunderten Pflicht sind. Ein Schneidebrett und etwas Alufolie haben es dann aber auch getan. - Man muss sich nur zu helfen wissen. :)

Mads und ich hatten unsere eigene kleine Bescherung aber schon mitte Dezember, denn zu Weihnachten selbst war ich dann in Oberlauringen. Ich kann euch also leider nicht erzählen, wie das dänische Weihnachtsfest wirklich aussieht, das kenne ich auch nur aus Erzählungen. Aber ich weiß, dass es schon Mittags Aquavit (Kümmel/Anis-Schnaps) gibt, man zu Abend Schweinebraten mit "braunen Kartoffeln" (= karamelisierte Kartoffeln) isst und danach um den Weihnachtsbaum tanzt und Lieder singt. Ach, und weil ich schon ein paar Mal darauf angesprochen wurde: Die Geschenke bringt der Weihnachtsmann, nicht Lucia. Lucia kommt schon am 13.12. und bringt nur Licht. Licht brauchen die Dänen im Winter auch dringend, im Dezember wurde es nämlich schon um 15Uhr dunkel...

Willkommen in Kathas kleiner dänischen Welt

Hallo meine Lieben,
nachdem ich immer mal wieder gefragt worden bin, warum ich dieses Mal keinen Blog schreibe habe ich mir überlegt, dass es vielleicht doch gar keine so schlechte Idee ist. Ich bin zwar inzwischen schon seit fünf Monaten hier, aber glücklicherweise sind noch viele Fotos auf meinem Laptop gespeichert und in meinem Köpfchen gibt es auch noch gaaanz viele Erinnerungen, von denen ich euch berichten will. Ihr müsst also keine Angst haben, ihr werdet nichts verpassen. Und nachdem das Internet hier viel stabiler und schneller ist als in China, bin ich auch guter Hoffnung, dass ich wieder öfter dazu komme euch auf dem Laufenden zu halten.
Mein plötzlicher Sinneswandel hat übrigens nichts mit Neujahr (gute Vorsätze und so) zu tun. Ich habe seit ein paar Tagen Ferien - das Semester hier geht von September bis Dezember - und somit etwas Zeit endlich über meine Zeit in Dänemark zu schreiben. Alle, die es interessiert wie es mir in meiner neuen Heimat so ergeht, können also in Zukunft gerne immer mal wieder hier vorbei schauen und sehen was es so Neues gibt.