Auch wenn wir eigentlich mehr frei haben als dass wir in die
Uni gehen, kommen wir trotzdem kaum dazu größere Ausflüge zu machen. Deswegen
sind die Osterferien jetzt natürlich optimal, um da etwas aufzuholen. Gestern
machten wir uns deswegen auf nach Struer.
Struer liegt 95km von Hinnerup entfernt im Nord-Westen Jütlands
und ist Mads Heimatstadt. Heimatstädtchen passt eher. Ich bin mir sicher, dass
Struer im Sommer bei den Touristen sehr beliebt ist, auch wenn es nicht direkt
am Meer liegt. Nichtsdestotrotz gibt es in und um Struer herum nämlich überall
Wasser. Sogar so viel, dass eine ganze
Insel hinein passt. Diese Insel, genannt Venø, liegt in der Venø Bucht und ist
nur per Fähre erreichbar.
Aber jetzt erstmal von Anfang an: Der Wettergott meint es
momentan wahnsinnig gut mit uns, die Sonne scheint nämlich fast jeden Tag von
früh bis spät. So glücklicherweise auch gestern. Allerdings lasse ich mich von
dem blauen Himmel gerne trügen und neige deshalb dazu mich etwas zu dünn
anzuziehen. Den Nordwind sollte man nämlich nicht unterschätzen! Und was hier
als normale Brise gilt, fällt in Süddeutschland wohl in die Kategorie "Sturmböen".
Aber ich lebe ja nicht in Süddeutschland und darf mich deswegen auch nicht
beschweren. Nur das mit dem Stirnband-Aufsetzen muss ich noch lernen. Meine
zierlichen Öhrchen sind nämlich leider nicht so windfest und deswegen laufe ich
am Ende meist mit Kapuze auf dem Kopf herum, weil ich wiedermal nichts für die
Ohren dabei habe. So natürlich auch gestern. Aber trotzdem war der Ausflug nach
Struer einer der schönsten in letzter Zeit.
Pünktlich zum Mittagessen sind wir im Stadtzentrum (stellt
euch das von der Größe her so wie Königshofen vor) angekommen und mussten
natürlich gleich mal in die Kult-Kneipe einkehren: Den glade pingvin, was so
viel heißt wie "der glückliche Pinguin". Struer, beziehungsweise die
Region ist nämlich für ein Gericht berühmt: Pinnebøf. Das sind
Rinfleischwürfel, extrem mit einer Gewürzmischung gewürzt, die mich stark
an die Braten-Gewürzmischung mit dem grünen Deckel erinnerte, die es daheim bei
vielen Metzgern zu kaufen gibt. Dazu gibt es kalte Bernaissesoße und ein
Brötchen. Und wenn man mag kann man noch Pommes oder Salat dazu bestellen.
Kleiner Tipp am Rande: Falls ihr mal nach Struer kommt, nehmt die Pommes. Salat
ist zwar gesünder, aber auch irgendwie liebloser, zumindest der, den ich hatte. Seinen Namen hat das Essen übrigens von dem "Pin", also dem Spieß, mit dem es traditionell gegessen wird. Messer und Gabel bekommt man zwar dazu, sollte man aber nicht unbedingt benutzen. Das ganze kann nicht unbedingt als 4-Sterne-Gourmet-Essen bezeichnet werden, passt aber
zusammen mit dem eisigen Nordwind perfekt in die urige Atmosphäre Struers. Gut
gestärkt machten wir uns dann auf, um die Innenstadt zu erkunden. Das dauerte
ungefähr fünf Minuten, da die Innenstadt nur aus ein paar Läden, einem Kino,
einem Café und einer Gärtnerei besteht.
Um auch wirklich keine "Attraktion" zu verpassen, besuchten wir als
nächstes die Kirche. Leider darf man in dänischen Kirchen keine Fotos machen
und da die Verwalterin (oder so) anwesend war, respektierten wir das natürlich.
Allgemein sind Kirchen hier ja eher spärlich dekoriert - ganz im
protestantischen Sinne eben- aber ein was hat doch meine Aufmerksamkeit
geweckt: Den Mittelgang entlang lag ein Teppich, der gar kein Teppich war,
sondern eine Papierrolle, bedruckt mit allem möglichen, was mit Ostern zu tun
hat. Mit dem letzten Abendmahl zum Beispiel oder mit dem Kreuzweg. War
irgendwie komisch darauf herumzulaufen, aber gut. Was ich persönlich übrigens
sehr fortschrittlich finde, ist, dass es hinten einen kleinen
"Kinderbereich" gibt, mit Malbüchern und Stiften, wo sich Kinder
während des Gottesdienstes beschäftigen können.
| Pinnebøf |
![]() |
| Wasserturm - Kino - Kirche - Rathaus - Innenstadt |
Da mit der Kirche nun wirklich alles besichtigt
war, gab mir Mads eine Tour durch sein ehemaliges Wohngebiet am Rand von
Struer. Und das bedeutete: Natur. Endlose Wiesen und Wälder, dazwischen ein
paar Schafe und Pferde und da Dänemark so wunderbar flach ist, kann man auch
meilenweit sehen. Ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische ist
"Kilen", ein See, der angeblich so tief ist, dass niemand wirklich
weiß wie tief genau und deshalb badet da auch niemand. Auch im Sommer nicht.
| Kilen |
Aber schön zum Anschauen ist Kilen und die Gegend drum herum trotzdem. Genau wie der Hafen. Da wir ja
inzwischen glückliche Autobesitzer sind, konnten wir den ganzen Weg vom Hafen
bis zur Fähre nach Venø am Wasser entlang fahren. Auf der einen Seite Wasser,
auf der anderen Seite Wald. Soooo schön! Die Insel selbst haben wir aber nur
vom Ufer aus gesehen, weil wir nicht unbedingt so viel Geld für die Fähre
ausgeben wollten. Vielleicht machen wir das im Sommer mal. Groß ist sie ja
nicht, mit 300 Einwohnern und 20km Küstenlinie. Aber schön bestimmt. Und flach. So ein flaches Stück Land habe ich noch nie gesehen, nicht mal in Dänemark.
Aber seht selbst:
| Venø |
| Die Venø Bucht |

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