Zu Deutsch: Hallo. Ich heiße Katharina und ich wohne in Hinnerup. Jetzt denken die meisten wahrscheinlich "Hinnerup? Was ist das denn jetzt? Ich dachte sie wohnt in Aarhus?" - jein. Ich gehe in Aarhus an die Uni, wohne aber nicht direkt da. Wir haben eine kleine aber feine Wohnung in einem schnuckeligen Vorort von Aarhus gefunden. Und dieser Ort heißt Hinnerup. Hinnerup ist circa 15km von Aarhus Centrum entfernt und ihr könnt euch das eungefähr so vorstellen wie Hofheim mit 7500 Einwohnern. Der Grund warum wir hier und nicht direkt in Aarhus leben ist einfach: das liebe Geld. Dänemark ist ja sowieso teurer als Deutschland aber die Wohnsituation in den Städten (vor allem in Aarhus und Kopenhagen) ist schrecklich. Man bewirbt sich meistens über gewisse online Platformen wo man dann monate- oder sogar jahrelang auf der Warteliste für eine Wohnung steht, zumindest für die zentralen Wohnungen, die alle wollen. Und wenn man dann so eine Wohnung hat, zahlt man für eine 50m² Wohnung mit zwei Zimmern gut und gerne über 1000€. Und so hatten wir die Wahl zwischen dem "Komfort-Paket" (Wohnung, schnelles Internet, Fernsehen, Auto + Geld am Ende des Monats) und dem "Aarhus Zentrum - Paket" (eine Wohnung in Aarhus). Wir haben uns für das erste entschieden und sind deswegen in Hinnerup gelandet. Es ist zwar manchmal etwas umständlich abends mit der Klasse feiern zu gehen (oder eher danach nach Hause zu kommen), aber irgendwie klappt das eigentlich immer, es fahren ja auch Nachtbusse hierher. Außerdem war ich wirklich heilfroh, dass wir nicht in Containern übernachten mussten. Das passiert jährlich nämlich hunderten von Studenten. Diejenigen, die bis zum Semesteranfang keine Wohnung gefunden haben, können sich auf einen Containerplatz bewerben. Ich hab mir sagen lassen, dass das recht kalt ist, aber immerhin wird man nicht nass. Und so hat man dann zwei Monate mehr Zeit sich etwas zu suchen bis die Container geschlossen werden und man entgültig auf der Straße sitzt.
Aber zurück zu Hinnerup: Ich habe mir gedacht, vielleicht sollte ich euch meine eigentliche neue Heimat auch einmal vorstellen. Es ist eher ruhig hier, aber man hat trotzdem alles was man braucht: fünf Supermärkte, zwei Tankstellen, ein Schwimmbad, einen Frisör, eine Apotheke, ein Solarium, zwei Restaurants, drei Bäcker, eine Bibliothek und einen Bahnhof. Und es ist definitiv besser für mich meine Freizeit nicht in einem Umfeld zu verbringen, in dem man sich die Langeweile mit Shoppen und Kaffee trinken (ok, heiße Schokolade für mich - für 7,30€/Tasse!) vertreiben kann.
| Die Hauptstraße um Mitternacht |
Mein Lieblingsplatz hier ist der kleine See, direkt gegenüber von unserem Wohnblock. Es gibt da sogar einen kleinen Steg, auf dem man im Sommer gemütlich grillen kann, während die Enten und Möven um einen herumschwimmen. Man kann aber natürlich auch einfach da sitzen und ein Buch lesen oder den Kids zuschauen, die dort nach der Schule oft ihre Angelkünste zur Schau stellen. Meine Theorie ist ja, dass die Fische - wenn es sie denn gibt - inzwischen einen großen Bogen um den Steg schwimmen, der der einzige direkte Zugang zum Wasser ist, ich habe dort nämlich noch nie einen erfolgreichen Angelversuch beobachtet. Jetzt im Winter ist der Steg natürlich eher ungemütlich und wahnsinnig rutschig, aber im Sommer war es toll da. Und wenn ich mir die Bilder jetzt im Nachhinein so ansehe muss ich feststellen, dass es am See genau so ist, wie man sich einen skandinavischen Sommer vorstellt.
Obwohl Frühling und Sommer definitiv meine liebsten Jahreszeiten sind, muss ich aber zugeben, dass Hinnrup auch im Herbst und Winter schön ist. Auch wenn man vor allem im Herbst ständig daran erinnert wurde, dass man sozusagen im Sumpf lebt. Wenn ich so an den schwarzen (die Erde hier ist wirklich schwarz, oder extrem dunkelbraun) Weiden der Hochlandrinder entlangspazierte, die am Abend immer mit einer dünnen Schicht Nebel bedeckt waren, musste ich irgendwie immer an Goethes Erlkönig denken - ihr wisst schon, "wer reitet so spät durch Nacht und Wind..." und so weiter. Und obwohl es schön anzusehen war, wundert es mich jetzt nicht mehr, dass die Depressionsrate in Dänemark so hoch ist. Bedrückend ist diese Atmosphäre auf Dauer nämlich irgendwie auch.
Aber inzwischen ist es ja Winter geworden, die Tage werden schon wieder länger und wenn das neue Semester im Februar erst wieder angefangen hat, dauert es nicht mehr lange, bis das Frühjahr kommt. Gut, etwas länger als in Oberlauringen dauert es hier schon, letztes Jahr hatte ich im Mai noch meine dicke Jacke an, aber immerhin fängt dann schon mal alles an zu blühen und irgendwann im Sommer werden die Tage so lang, dass die Sonne erst um Mitternacht untergeht und sich schon ein paar Stunden später wieder blicken lässt. Bis dahin freue ich mich jeden Morgen auf's neue wie ein kleines Kind, wenn ich die Vorhänge aufziehe und dicke weiße Flocken vom Himmel fallen sehe.
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| Der Blick aus dem Küchenfenster |


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